Flexiblere Einwanderungsgesetze gegen Arbeitskrise in Deutschland – 08.07.2022

Flexiblere Einwanderungsgesetze gegen Arbeitsmarktkrise in Deutschland – Die Bundesregierung hat begonnen, das nationale Einwanderungssystem zu reformieren, um mehr Ausländern den Aufenthalt im Land zu ermöglichen. Flüchtlingsrechtsorganisationen halten Maßnahmen für unzureichend. Berlin will mehr als 130.000 Ausländern, die in der rechtlichen Schwebe gefangen sind, die Chance geben, dauerhaft in Deutschland zu leben. Die Regierung von Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Mittwoch (06.07.) ein Reformpaket verabschiedet, das Personen, die seit mehr als fünf Jahren unter Duldung im Land leben, eine Perspektive auf das Bleiberecht eröffnet. Die Maßnahmen müssen noch im Parlament abgesegnet werden.

„Wir sind ein diversifiziertes Einwanderungsland. Jetzt wollen wir ein besseres Integrationsland werden“, twitterte Innenministerin Nancy Faeser von der SPD. „Ich will Zuwanderung und Integration aktiv gestalten, nicht wie in den vergangenen 16 Jahren zögerlich managen“ – eine Anspielung auf die konservative Vorgängerregierung von Angela Merkel.

Eine Duldung wird in der Regel Personen erteilt, denen politisches Asyl verweigert wurde, die aber aus verschiedenen Gründen, wie etwa Kriegs- oder Haftgefahr im Herkunftsland, Schwangerschaft oder schwere Krankheit, Studium oder Ausbildung, nicht zurückkehren können. Profi in Deutschland. Rechtlich bleiben sie jedoch zur Ausreise verpflichtet und leben von der Abschiebung bedroht.

legales Nirgendwo

Der Status ist nur kurzfristig gültig und kann mehrmals hintereinander verliehen werden, oft ohne Aussicht auf Arbeitserlaubnis. Der Plan sieht vor, dass jeder, der bis zum 1. Januar 2022 eine fünfjährige Duldung erreicht hat, sich für eine einjährige Aufenthaltserlaubnis qualifizieren kann, in der er seine Integrationsbereitschaft nachweisen muss. In der Praxis bedeutet dies, Deutsch zu lernen und einen Job zu finden, der ein eigenes Einkommen erzielen kann.

Personen, die wegen einer schweren Straftat verurteilt wurden, Personen, die unter falscher Identität einen Asylantrag gestellt haben oder bereits mehrere Anträge gestellt haben, würden von der Maßnahme nicht profitieren. Ausnahmen von dieser Regel wären Straftaten, die mit niedrigen Strafen geahndet oder vor Jugendgerichten behandelt werden.

Karl Kopp, Leiter Europa der Flüchtlingsorganisation Pro Asyl, kennt viele Menschen, die in dieser rechtlichen Schwebe stecken. „Stellen Sie sich vor, Sie haben Toleranzstatus, Familie, Kinder in der Schule, die fließend Deutsch sprechen, die hier aufgewachsen sind“, sagte er der DW. „Und irgendwann will man nur noch einen Status, der deutlich macht, dass man in dieses Land gehört.

„Viele andere leben seit Jahren mit einer konkreten Angst: Die Polizei wird sie zur Abschiebung abholen. Das kostet sie Kraft und verursacht ihnen viel Leid.“ Kopp kennt viele in dieser Situation, die eine Ausbildungsstelle antreten und deren Arbeitgeber darum kämpfen müssen, sie im Land zu halten.

Den „Tolerierten“ Perspektiven geben

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan, schrieb auf Twitter, das neue Gesetz sei für rund 135.000 Migranten eine Brücke in ein besseres Leben. „Wir gestalten Deutschland als modernes Einwanderungsland neu. Es ist ein wichtiger erster Schritt: Mit dem Bleiberecht gibt es endlich faire Perspektiven für alle, die hier seit mehr als fünf Jahren tolerant leben. Wir öffnen auch Zugang zur Integration für alle schaffen.“

Oppositionspolitiker äußerten sich kritisch. Laut Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Christlich Demokratischen Union (CDU), würden die Pläne der Regierung „massive Anreize“ für die illegale Einwanderung nach Deutschland schaffen. „Außerdem untergräbt die Koalition mit dieser Initiative das Asylrecht“, sagte Throm dem Nachrichtensender RND.

„Es muss ein Unterschied sein, ob ein Asylverfahren mit dem Schutzstatus endet oder ob es abgelehnt wird. Aber wenn ein abgelehnter Antrag auch dazu führt, dass man sich dauerhaft in Deutschland aufhalten kann, dann wird das Asylverfahren selbst sinnlos“, argumentierte er. der konservative Politiker.

Der Co-Vorsitzende der Grünen, Omid Nouripour, verteidigte die Pläne und behauptete, sie würden dazu beitragen, den akuten Fachkräftemangel in Deutschland zu lindern. „Wir eröffnen neue Perspektiven“, sagte er dem Funke Mediennetzwerk. „Dazu gehört ein modernes Einwanderungsgesetz, das auf einem Punktesystem basiert. Daher ist es richtig, dass mit diesem Gesetzentwurf auch die einwanderungsrechtlichen Regelungen für Fachkräfte zusammengeführt werden.“

Weitere Pakete bis Ende des Jahres

Flüchtlingsorganisationen begrüßten die Absicht der Regierung, stehen ihrer Umsetzung aber weiterhin skeptisch gegenüber. „Wir begrüßen die Absicht, mehr als 100.000 Bürgerinnen und Bürgern einen regulären Status zu geben“, sagte Kopp von Pro Asyl. „Aber wir haben auch auf einige Punkte hingewiesen, bei denen wir der Meinung sind, dass die Gesetzgebung präziser sein muss.“

Einerseits hält er es für zu strikt, Migranten dazu zu zwingen, innerhalb eines Jahres die notwendigen Aufenthaltsvoraussetzungen zu erfüllen, da sie sonst Gefahr laufen, in die Duldung zurückzukehren. „Wir wünschen uns mehr humanitäre Flexibilität. Es kann sein, dass jemand auf Jobsuche geht, aber aufgrund der wirtschaftlichen Lage dazu nicht in der Lage ist.“ Karl Kopp wünscht sich auch, dass das neue Gesetz eine Bestimmung enthält, die die drohende Abschiebung für alle Aufenthaltsberechtigten aufhebt.

Integrationskommissarin Alabali-Radovan betonte, dass das aktuelle Paket nur „der erste Meilenstein“ sei und dass weitere Pläne bis Ende des Jahres umgesetzt werden, darunter Maßnahmen, um Migranten einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt und zur Einbürgerung zu ermöglichen.

Autor: Ben Ritter

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