Entspricht das Klischee über die Deutschen der Wahrheit? | iRADIO

Mit wohl jeder Nation der Welt sind allerlei Klischees und Vorurteile verbunden. Unsere unmittelbaren Nachbarn haben meist eine empfundene, meist wenig schmeichelhafte Meinung von uns. Viele solcher „Schlagworte“ haben die Deutschen in den vergangenen Jahrzehnten gesammelt. Inwieweit Klischees, etwa über die Abwesenheit von Humor, auf Wahrheit beruhen, hat unser Berliner Korrespondent Jiří Hošek untersucht. Er zeichnete vor allem ein Bild von Menschen, die schon lange in Deutschland leben, aber selbst keine Deutschen sind.






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Businessklasse | Foto: Jan Rosenauer

„Die schweigsamen Ostfriesen, die mürrischen Westfalen, zu denen ich selbst gehöre, die fröhlichen Rheinländer, die fleißigen Sachsen oder die Patrioten der Pfalz und Bayern. Solche vereinfachten Beschreibungen von Charaktereigenschaften findet man in vielen Reiseführern“, sagt der deutsche Diplomatenchef Frank-Walter vorwurfsvoll über Steinmeier, den derzeit beliebtesten deutschen Politiker.

„Im Land des Sauerkrauts und der Bratwurst gibt es Stände mit Döner, Falafel und Sushi wie in anderen Ländern auch“, ergänzt Steinmeier und hat damit vollkommen recht. Denn im Land des Bieres wird der wohl beste Riesling der Welt gebraut.

AFP-Korrespondent Benoit Finck lebt seit siebeneinhalb Jahren in Deutschland. Im Vorfeld hatte er mit weniger Flexibilität und einer geringeren Improvisationsfähigkeit der Einheimischen gerechnet. Für ihn bestätigte sich dieses Klischee, dennoch hätte er damit kein so großes Problem.

„Schlimmer ist der Mangel an Humor. Ich bin Franzose und wir, als Angehörige der Roma-Nation, haben einen Sinn für Humor in uns. In den ersten Jahren nach meiner Ankunft habe ich es mit Humor versucht, aber ich habe gesehen, dass das einfach nicht funktioniert. Ich habe festgestellt, dass die Leute hier entweder überhaupt keinen Sinn für Humor haben oder einen entschieden anderen Sinn für Humor als die Franzosen.“

Ich traf Péter Zentai vom Ungarischen Öffentlichen Rundfunk zum ersten Mal vor acht Jahren in den USA. Schon damals begegneten die Amerikaner seinem trockenen Humor mit Unverständnis, und bei den Deutschen ist es ähnlich. Ansonsten ist Péter positiv überrascht.

„Ich hatte diese Art preußischer Kultur erwartet, die Fleiß, Pünktlichkeit oder so etwas wie einen militaristischen Stil in der Gesellschaft bedeutet. Doch nichts davon hat sich bestätigt. Auch wenn wir durch die Medien vielleicht genau den gegenteiligen Eindruck haben, begegnete mir hier eine große Toleranz, sowohl gegenüber Ausländern als auch gegenüber Mitmenschen.“

Hans Verbeek ist ein Angehöriger der Nation, die überall in Karawanen reist, wie die Deutschen in ihren sechsteiligen Witzen sagen. Ja, er ist Niederländer. Vor einigen Jahren ergab eine Umfrage in den Niederlanden, dass die dortige Jugend Deutschland als ein Land arroganter, aggressiver Kriegstreiber wahrnimmt. Laut Hans hat sich dieses Bild radikal geändert.

„Vielleicht haben die Fußball-Meisterschaft und die Popularität der Stadt Berlin dabei eine Rolle gespielt, aber jetzt kommen die jungen Niederländer einfach hierher, haben hier Spaß und denken, mit so einer Hauptstadt kann das ganze Land nicht nur schlecht sein. Während der Weltmeisterschaft gab es sogar Niederländer, die Deutschland angefeuert haben, und das hat es in der Geschichte noch nie gegeben!“

Jiří Hošek, Marika Táborská

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Katrin Taube

"Popkultur-Experte. Begeisterter Kaffee-Evangelist. Freiberuflicher Alkohol-Liebhaber. Web-Wissenschaftler."