Deutsche Kommunen befürchten einen neuen Zustrom ukrainischer Flüchtlinge

Gepostet am 11.10.2022 17:14Aktualisiert am 12. Oktober 2022 um 9:08 Uhr

Seit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine hat Deutschland mehr als eine Million Ukrainer aufgenommen, fast so viele wie während der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Im vergangenen Frühjahr hat Olaf Scholz 2 Milliarden Euro für deutschen Kommunen helfen, den Schock zu verkraften, aber letztere schlagen erneut Alarm und fordern einen neuen Bundesrahmen von mehreren Milliarden.

Der anhaltende Zustrom von Neuankömmlingen, die Die letzten russischen Angriffe und die Winterkälte droht sich zu beschleunigen, sodass sie das Schlimmste befürchten. „Einige Kommunen stoßen an ihre Kapazitätsgrenze“, warnte am Dienstag bei einem Gipfeltreffen zur Aufnahme von Flüchtlingen Burkhard Jung, Vizepräsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister von Leipzig. Letztere mussten wie viele andere Turnhallen mobilisieren und Zelte aufstellen.

4.000 neue Wohneinheiten für Flüchtlinge

Im Frühjahr hatten die Städte gehofft, den Weg dorthin zu umgehen, nachdem insbesondere die Mobilisierung öffentlicher Einrichtungen 2015 für Nutzungskonflikte mit der deutschen Bevölkerung gesorgt und die Reihen der Rechten gefüttert hatte. Nahezu unsichtbar in den Debatten während der Bundestagserneuerung im vergangenen Jahr hat sie auch das Haar des Tieres zurückerobert: Mit 14 Prozent im letzten RTL/ntv-Barometer erreicht die AfD wieder den höchsten Stand seit drei Jahren.

Die sozialdemokratische Innenministerin Nancy Faeser hat deshalb angekündigt, dass das Land 56 neue öffentliche Gebäude mit 4.000 zusätzlichen Plätzen zur Verfügung stellen wird. Insgesamt sind von den 68.000 Plätzen, die der Bund seit Kriegsbeginn zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt hat, noch etwas mehr als 20.000 Plätze frei. Nancy Faeser versprach zudem den Aufbau einer digitalen Plattform zur Optimierung der Kapazitätsauslastung.

Aber die Kommunen betonen, dass es auch notwendig sei, den Transport, die medizinische Versorgung und die Integration von Flüchtlingen sicherzustellen. Die notwendigen Bundeshilfen würden sich somit auf zwischen 4 und 5 Milliarden Euro belaufen. Der genaue Umfang ist Gegenstand von Verhandlungen mit dem Finanzministerium im Vorfeld eines Treffens der Länder mit der Bundeskanzlerin Anfang November. Diese unterstreichen die Notwendigkeit, die Kosten für die Aufnahme von Asylbewerbern einzubeziehen.

Neuer Zustrom von Asylsuchenden

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ist in der Tat besorgt über eine neue Welle nicht-ukrainischer Migranten, die parallel die Balkanroute nehmen. Fast 135.000 Menschen haben zwischen Januar und September über den Rhein Asyl beantragt, mehr als ein Drittel mehr als vor einem Jahr. „Wir müssen die Grenzkontrollen verstärken und es ist höchste Zeit, die Regeln für die Finanzierung der Aufnahme von Asylbewerbern zu klären“, warnt Joachim Herrmann.

Nancy Faeser hat die Verlängerung der österreichischen Grenzkontrollen um sechs Monate ab November angekündigt. Sie versicherte auch, dass sie im Rahmen der Verstärkung der Überwachung ihrer Grenzen zur Slowakei in engem Dialog mit Wien und Prag stehe. Die Ministerin versprach auch, die Frage der Rolle Serbiens bei einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen am Donnerstagabend anzusprechen.

„Ein EU-Beitrittskandidat muss seine Passpolitik an die der EU anpassen“, donnerte Joachim Hermann. Er geißelt Belgrads Nachlässigkeit gegenüber dem Zustrom von Exilkandidaten aus Syrien oder Afghanistan.

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