Das deutsche Konstanz zeichnet sich nicht nur durch das Erbe von Jan Hus aus

Konstanz ist in zwei Hälften geteilt, zwischen der Schweiz und Deutschland, daher hat es zwei Namen – Kreuzlingen und Konstanz. Die Stadt hat eine Fläche von fast 56 Quadratkilometern und hat etwa 85.000 Einwohner. Sie liegt am Ufer des Bodensees, dem zweitgrößten See der Alpen. Um ihn herum gibt es ein dichtes Netz von 260 Kilometer langen Radwegen, sodass auch Sportler hier auf ihre Kosten kommen. Aber unser Ziel ist ein anderes.

Wir beginnen unseren Spaziergang am Parkplatz Döbeleplatz, von wo aus wir zum Schnetztor, der mittelalterlichen Stadtbefestigung, gehen. Dies ist das südlichste Tor der Stadtgrenze, das in die Altstadt führt. Das Schnetztor ist ein fünfstöckiger Wehrturm, er stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist somit ein Dokument des mittelalterlichen Konstanz. Die Vorderseite besteht aus Steinblöcken, während die Rückseite aus abnehmbarem Fachwerk besteht und mit hängenden bunten Schirmen geschmückt ist. Oben auf dem Turm fällt uns als erstes die Uhr ins Auge.

Es gibt tschechische Inschriften

Vom Tor aus gehen wir weiter die Husová-Straße entlang (Hussenstraße), die eindeutig schönste Straße im historischen Teil der Stadt. Gleich links befindet sich ein Fachwerkhaus mit dem Hus-Museum. Jan Hus wohnte einige Zeit in diesem Haus, bevor er im November 1414 verhaftet wurde. Im Inneren können Sie eine sehr schöne Ausstellung sowohl über das Konzil selbst als auch über die anspruchsvolle und sehr lange Reise sehen, die Hus von Prag zum entfernten Ufer des Bodensees unternehmen musste.

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Was uns freut ist, dass die Beschriftungen und der Audioguide auf Tschechisch vorhanden sind, und der Guide spricht auch sehr gut Tschechisch. Am Gebäude befindet sich außerdem die tschechische Aufschrift: In diesem Haus lebte im Jahr 1414 der tschechische Reformator M. Jan HusIm Jahr 1922 wurde das Haus von einem Konsortium tschechischer Banken gekauft und ging so in den Besitz der Tschechischen Republik über.

Foto: Tereza Havlíčková

Durch das historische Stadttor gelangt man zur heutigen Husovy-Straße.

Eine weitere Erinnerung an Hus‘ Aufenthalt findet sich in einem Park in Form eines Steins im Kostnice-Vorort Paradise. Er liegt etwa 10 Gehminuten von Hus‘ Haus entlang der Tägermoosstraße entfernt. Dieser Punkt ist als der wahrscheinliche Ort der Einäscherung von Hus am 6. Juli 1415 markiert, wonach seine sterblichen Überreste in den Rhein geworfen wurden. Rund um das Denkmal sind mehrere bunte Blumen gepflanzt.

Die Gedenktafel aus dem Jahr 1868 enthält allerdings nicht nur seinen Namen, sondern auch den seines Zeitgenossen Jeroným Pražský, der knapp ein Jahr später am 30. Mai 1416 verbrannt wurde. Der Stein wird auch Streustein genannt, er stammt aus dem Bodensee und wurde beim Bau der Eisenbahn gefunden. Am Todestag von Hus findet jedes Jahr an der ehemaligen Hinrichtungsstätte eine Gedenkfeier statt, zu der vor allem Pilger aus Tschechien kommen.

Das Ratsgebäude ist nicht wiederzuerkennen

Kehren wir jedoch zur Husova Straße zurück und gehen rechts die Kanzleistraße entlang Richtung Bodensee, wo unser Ziel das Konzilgebäude ist.

Foto: Tereza Havlíčková

Heute befindet sich im ehemaligen Ratsgebäude ein beliebtes Restaurant.

Das zweistöckige Gebäude des damaligen Rathauses diente den Konzilsteilnehmern als Versammlungsort und wurde auch zur Wahl des Papstes genutzt. Es wurde auf Hunderten von Eichenpfählen errichtet, da der Boden am Ufer des Sees unter Wasser stand. Ursprünglich diente das Gebäude bereits 1388 als Handelshaus und Lager für den Handel mit Italien. Es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaut und entspricht daher nicht dem Bild, das Hus damals sah. Selbst heute würden wir das Gebäude auf den ersten Blick nicht wiedererkennen.

Im Erdgeschoss befindet sich ein beliebtes Lokalrestaurant, in dem Touristen gut essen können. Ein weiterer Pluspunkt ist die Terrasse mit herrlichem Blick auf den See.

Der Pier wird von der Statue von Imperia dominiert

Nach einem guten Essen halten wir es für notwendig, einen Spaziergang um den See zu machen und die Seebrücke zu besuchen, deren Ende von einer Skulptur namens Imperia aus dem Jahr 1993 dominiert wird. Sie misst acht Meter, steht auf einem rotierenden Sockel und ist schon von weitem sichtbar. Sie dreht sich alle vier Minuten.

Foto: Tereza Havlíčková

Das Haus von Jan Hus ist heute ein Museum.

Der Autor der allegorischen Skulptur ist Peter Lenke und sie symbolisiert den Kampf zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Sie entstand nach der satirischen Kurzgeschichte Das schöne Reich aus der Sammlung Humorvolle Erzählungen von Honoré de Balzac, die zur Zeit des Konstanzer Konzils spielt.

Die Statue soll die italienische Kurtisane Lucrécia de Paris darstellen, die zwei nackte, groteske Figuren hält. Eine stellt Kaiser Sigismund mit einer Krone dar, die andere Papst Martin V. mit einer Tiara.

Verpassen Sie nicht die Kathedrale

In Konstanz können jedoch noch zahlreiche weitere historische Denkmäler und interessante Orte besichtigt werden. Vom Ufer aus gelangt man beispielsweise durch eine Unterführung unter der Bahnlinie hindurch auf den Marktplatz, wo man den wunderschönen Kaiserbrunnen aus dem Jahr 1897 besichtigen kann. Auf der Säule sind die Herrscher Friedrich Barbarossa, Heinrich III. und Maximilian I. abgebildet.

Zu einem Besuch lädt auch die Unterwasserwelt ein, wo sich unter der Seeoberfläche ein riesiges Aquarium befindet, in dem Sie in 30 Aquarien tausende Fische bestaunen können.

Foto: Tereza Havlíčková

Am Ufer des Sees steht eine Statue namens Imperia.

Touristen sollten sich auf keinen Fall den Münsteraner Dom entgehen lassen, der den Ort markiert, an dem Hus beim Prozess stand. Konstanz ist auch voller Kultur, so dass man hier ein Theater oder ein Museum finden kann. Hier können wir zum Beispiel die Konzerte der Südwestdeutschen Philharmonie genießen.

Sehr beliebt sind auch Schifffahrten auf dem See, bei denen Touristen beispielsweise die Blumeninsel (Mainau) mit einem Botanischen Garten, einem kleinen Zoo und tropischen Schmetterlingen erreichen.

Im meistbesuchten Schweizer Museum können Sie zahlreiche Exponate anfassen

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Katrin Taube

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